Karma Yoga

Der Yoga des Wirkens,
das Einswerden mit Gott in unserem Willen und Wirken
(nicht nur in unserem Wissen und Fühlen)
ist ein unentbehrliches, unaussprechlich wichtiges Element
eines Integralen Yogas.
(Aurobindo)

Karma Yoga – Yoga der Tat

Karma Yoga ist das Ausführen von alltäglichen Handlungen mit einer neuen Art von Einstellung, einem neuen Bewusstsein, so dass diese Handlungen zur Befreiung und der Erfahrung der Einheit führen. Im Unterschied zu anderen Formen des Yoga wie Hatha Yoga oder Kundalini Yoga braucht man im Karma Yoga keine bestimmten Übungen, die man während einer bestimmten Zeit täglich ausführt. Man braucht keine besonderen Hilfsmittel, Matten oder Yogaräume. Karma Yoga ist die Spiritualisierung der Aufgaben des täglichen Lebens. Karma Yoga ist also für den spirituellen Fortschritt sehr wichtig.

Zu Anfang der Bhagavad Gita (2. Kapitel) fragt Arjuna, der Schüler, Krishna, den Lehrer, ob er auf alle Handlungen verzichten solle, sich als Asket in den Wald zurückziehen solle, oder den Lebenskampf führen soll. Krishna rät ihm zur Tat und beschreibt 17 Kapitel lang, wie eine Handlung beschaffen sein muß, um nicht zu binden und zum Leid zu führen, sondern um zu befreien und zum Glück zu führen. Im 6. Kapitel sagt Krishna: „Für einen Weisen, der Yoga erreichen will, ist Handlung das Mittel. Für den gleichen Weisen, der Yoga erreicht hat, ist Ruhe das Mittel“ (VI 3). Obgleich es selbstverständlich wichtig ist, täglich zu meditieren, Yogaübungen wie Asanas (Körperstellungen) und Pranayama (Atemübungen) auszuführen, wird der spirituelle Fortschritt lange Zeit hauptsächlich bestimmt durch die Art und Weise, wie man handelt und weniger durch die Menge und „Qualität“ der Meditation. Zwar ist Meditation essentiell, um überhaupt die Kraft zu haben, sein Leben bewusster zu leben. Aber die Spiritualisierung des Alltags ist das Entscheidende. Erst für fortgeschrittene Aspiranten ist es wichtig, die Zeit der Meditation zu verlängern. Kenntnis der Prinzipien des Karma Yoga ist also für den spirituellen Fortschritt sehr wichtig.
(Text: Sukhadev Bretz)

Das Gesetz des Karma
Um Karma Yoga zu verstehen, muß man auch das Gesetz des Karma verstehen.

Einige wichtige Prinzipien sind:
- Das Leben ist eine Schule, Ereignisse sind Lektionen zum Wachsen, Schicksal ist Chance
- Wünsche, die wir haben, müssen sich irgendwann erfüllen, schaffen also neues Karma
- Handlungen, die wir aus Wünschen oder Abneigungen tun, binden und schaffen neues Karma
- Vergnügen und Schmerz binden beide, sofern man sich damit identifiziert
- Befreiung und die Erfahrung können erst dann kommen, wenn ein großer Teil des Karma abgearbeitet, die Lektionen gelebt sind, und man kein neues Karma schafft

Karma Yoga will einem dazu verhelfen:
- die Kette von Ursache und Wirkung zu sprengen
- zu handeln, ohne neues Karma zu schaffen
- die Lektionen des Lebens bewusst zu lernen
- freudevoll zu handeln
- sich verbunden zu fühlen mit der göttlichen Kraft und dem Kosmischen Bewusstsein


Karma Yoga – Entwicklung von Mitgefühl

„Lebe in der Liebe. Meditiere über die Liebe. Bewege dich in der Liebe. Reinige deine Gedanken und dein Tun durch die Liebe. Tauche ein in den Ozean der Liebe und werde zu einer Verkörperung der Liebe. Hilf den Armen, den Unterdrückten und den Bedrängten. Sieh das Glück deines Nächsten als dein eigenes Glück und seinen Schmerz als deinen eigenen Schmerz. Gutes tun ist notwendig, um spirituelle Fortschritte zu machen.“
(Swami Sivananda: „Göttliche Erkenntnis.“, Seite 208)